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Traditionsfiguren und -bräuche der Walldürner Faschenaacht

"Dürmer Klohn" ist seit der Barockzeit traditionell

In der mainzischen Stadt Walldürn - von 1924 bis 1803 war der Erzbischof und Kurfürst von Mainz ihr Landesherr - wurde wohl schon im Mittelalter Fastnacht gefeiert, nachdem es Brauch geworden war, sich für die strengösterliche Fastenzeit vorweg mit Eß- und Trinkgelagen und lustigem Treiben zu entschädigen. Die Kirche duldete, ja förderte dies, nahm aber später diese Position zurück. Es war zu Ausschreitungen gekommen, zur Kritik der Reformation am "papistischen" Unfug der Narretei, zum allgemeinen Sittenverfall in 16. Jahrhundert. Walldürns energischer Pfarrherr Jodokus Hoffius wetterte deshalb nicht ohne Grund von der Kanzel gegen das Tanzen, Saufen und spielen seiner Pfarrkinder. Seine Predigten dauerten gewöhnlich drei bis vier Stunden und enthielten Äußerungen wie die, daß es eine kleinere Sünde sei, ganz Walldürn anzuzünden, als hier nur einen einzigen Tanz zu gestatten. Die Walldürner ließen sich dies übrigens nicht bieten und beschwerten sich über Hoffius bei dessen Vorgesetzten.

Gleichwohl: Das 16. Jahrhundert war dem Fasnachtstreiben wenig günstig, und danach folgte bis 1648 der 30-jährige Krieg. Erst im späten 17. Jahrhundert konnte der Frohsinn wieder aufblühen und es kam zur zweiten barocken Hochkonjunktur des Fastnachtsbrauchtums. Neue Anstöße kamen damals von höfischen Kreisen. In den Residenzstädten gab es Hofbälle, und auch in kleineren Amtsorten wie Walldürn wurde von der Beamtenschaft zünftig gefeiert. Dabei trugen herumreisende italienische Theatergruppen zum Vergnügen bei. Hierbei spielte der "Bajazzo" als Possenreißer eine große Rolle. Der "Hans Wurst" des deutschen Volksschauspieles hatte die gleiche Funktion. Diese "lustigen Personen" waren in weiße Gewänder gekleidet, da die Farbe Weiß schon im Mittelalter als Farbe des Närrischseins galt. Ob damals auch in Walldürn Schwänke und Possen mit dem "Bajazz" aufgeführt wurden, ist unbekannt. Sicher ist, daß damals die Hauptstadt Mainz in ihr Fastnachtsbrauchtum Einflüsse aufnahm, die vom Schauspiel ausgingen.

Mainz kennt bis heute den "Bajass" im weißen Gewand und die Abwandlung des "Schnibbelbajass", der ein Verwandter des "Huddelbätz", und bei dem das Kleid mit Papier- oder Stoffstreifen besetzt ist (eine Abbildung in Carl Zuckmayers Lebenserinnerungen "Als wär´s ein Stück von mir"). Im Mainzer Gebiet wurde der "Bajazz" bald insgesamt volkstümlich und dies ließ ihn auch in Walldürn zur typischen Fastnachtsfigur werden. Daß er hier "Klohn" heißt, hängt vieleicht damit zusammen, daß - einer Erinnerung von Kurt Löhr zufolge - als "Bajazze" sämtliche Fastnachtsnarren bezeichnet wurden. Nachdem es in Walldürn zu dieser Entwicklung gekommen war, mußte für den eingentlichen "Bajazz" ein neuer Namen gefunden werden. "Klohn" wurde dann wohl vom Zirkus-Clown geborgt. Doch blieb stets auch der Ausdruck "Bajazz" volkstümlich. Die älteste volkstümlichste Darstellung eines Walldürner Klohn findet sich hier auf einem Backmodel der Zeit um 1780, das im Heimatmuseum aufbewahrt wird. Es zeigt eine springende Narrengestalt in noch zweiteiligem Klohnanzug, auf dem Kopf eine lange Zipfelmütze, um den Hals die Halskrause, die Schuhe mit "Dollen" besetzt. Über die Schulter hängt am Stock ein Gegenstand, der als "Saublöschle" gedeutet werden könnte. Die Saublase gehörte noch lange zur Ausrüstung des Klohn, ebenso der "Bätscher" (früher aus Holz gesägt und bis zu einem Mter lang).

Das Klohnkostüm war jedoch später einteilig und man nimmt dazu nicht nur weißen, sondern auch gemusterten Stoff (z. B. von alten Vorhängen). Es blieb jedoch die barocke Halskrause und der Spitzhut ("Spitzdutte"). Wie das Klohnkostüm der Zeit um 1900/1920 aussah, ist noch mit alten Fotos zu belegen. Das Backmodel ist jedoch wertvoll als bildlicher Frühbeleg einer lokalen Narrengestalt, wie ihn nur wenige Narrenorte vorzuweisen haben. Da die Walldürner Lebküchner ihre Modeln z. T. selber schnitzten, dürfte  die Darstellung aus direkter Anschauung genommen sein: Aus der "Dürmer Faschenaacht" also.

Peter Assion

 

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