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Von der Walldürner Faschenaacht

Im 16. und 17. Jahrhundert

Aus Würzburgs Geschichte wissen wir, daß am Fastnachtsabend des Jahres 1308 die Würzburger Bürger die Burgmannschaft des Marienbergs beim Fastnachtstreiben überrumpeln wollten, daß aber allerhand Frauenzimmer aus der Stadt die der Besatzung feiern halfen, dies verrieten. Bei einem Ausfall der Besatzung in voller Rüstung wurde eine Anzahl der überraschten Bürger erschlagen.

Dem Bistum Würzburg, in dem also 1308 schon Fastnachtstreiben üblich war, unterstand Walldürn kirchlich bis 1656; in diesem Jahr kam es auch kirchlich zum Erzbistum Mainz, dem es schon seit 1294 politisch unterstand. Daß Amorbach; der Sitz des Mainzer  Oberamtsmanns für unser Gebiet, seit über 540 Jahren Fastnacht feiert, wies Dr. h. c. Max Walter nach; auch unsere Nachbarstadt Buchen rühmt sich einer so langen schon nachgewiesenen Fastnacht, während Lauda über 410 Jahre nachzuweisen vermag. Da nimmt es uns nicht wunder, daß auch Walldürn Fastnachtstreiben und Fastnachtsfeiern kannte, wenn auch die bis jetzt im Stadtarchiv gefundenen Zeugnisse nicht ganz so weit zurückreichen.

Wie ich schon 1961 zum 9. Fränkischen Narrentreffen in Tauberbischofsheim darlegte, vermerkt eine Amorbacher Stadtrechnung von 1543, die mir Dr. Walter zugänglich machte: „Item uff der Pfaffenfaßnacht (Sonntag Estomihi, Fastnachtssonntag) sein bi unß auff der Stuben (im Rathaus) zum Wein gewest der Keller zu Dhurn (oberst Mainzer Verwaltungsbeamter, Leiter der Mainzer Kellerei Walldürn, Sitz im wiederaufgebauten Schloß der Herren von Dürn, dem heutigen Finanzamt), Peter Hurst von Dhurn; haben wir für sie an der Zech gegeben 1,5 Turnosen“ (grossus turonensis, Groschenoder dicke Münze aus Tours, Turnosgroschen, wichtige Handelsmünze in Westdeutschland, 1266 zuerst eingeführt, später oft nachgeprägt und zur Scheidemünze herabgesunken). Damals waren gegenseitige Besuche an Fastnacht allgemein  üblich, und wir dürfen einen Gegenbesuch der Amorbacher in Walldürn als sicher annehmen.

1677 ließ der bekannte Missionsprediger Martin von Cochem (1634 bis 1712, mit bürgerlichen Namen Linus), der einige Jahre im Walldürner Kapuzinerkloster verbrachte sein „Leben Christi“ erscheinen, in dem er im „Gebett am Fastnachts-Sonntag“, vielleicht aus Walldürner Erfahrungen heraus, schreib; „Dann heut ist derjenige Sonntag, an welchem sich alle gute Freund mit einander erlustigen und einander auf gute Mahlzeit zu Gast laden“. Er spricht dann von „ausgelassenen Weltkindern“,
 „ unziemlichen Freuden“, „was für Mutwillen alle Art verübt, was für Eitelkeit in Tanz und Springen angestellt, was für Sünden in Völlerey und Unzuchten begangen“ werden, er selbst würde „ von Herzen gern diese drey Fastnachts- Täg mit der größten Krankheit zu Bett liegen“. Wir dürfen hierbei nicht vergessen, daß der Dreißigjährige Krieg kaum zu Ende war, daß der Krieg Ludwigs XIV. Europa und auch unsere Gegend erschütterten, Zeiten, die neben der Lebensangst besonders die Lebenslust zum Ausbruch kommen ließen. Man wollte genießen, weil man, nicht wußte, wie lange man noch leben und genießen konnte.

Im 18. Jahrhundert

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ die Quellen über die Dürmer Fastnacht etwas reichlicher, da uns die „Ratsprotokolle“, die die Fälle der niederen Gerichtsbarkeit festhalten, zur Verfügung stehen.

Im Februar 1708 stand Hans Adam Bechtold vor den Schranken des Gerichts. Er war vor einiger Zeit „ von Dragonern an Hand und Schulter übel plessiert“, aber vom Bader Franz Niclas Ströbel gut kuriert worden. Da er aber seinem Helfer nichts zahlte, mußte der seine Forderungen einklagen. Den Einwand, er sein noch nicht arbeitsfähig ,konnte dieser leicht widerlegen, da Bechtold „auch würcklich bis zwey oder drey Tag in der Fassennachtszeit (19. bis 21. Februar 1708) in offenen Wirtshäuser den Bass gespielt“. Der Beweis genügte Bechthold mußte zahlen.

In einem ins Ratsprotokoll eingehefteten Brief vom 27 Februar 1710 (Fastnachtssonntag war am 2. März) teilt der Amorbacher Aktuar F. Pfister dem Walldürner Centgrafen (dem vom Mainz eingesetzten Schuldheißen) mit: „ Meine Fastenküchlein seindt zum besten und was sonsten noch Küche und Keller vermag“. Neben den Fastenküchlein während der Fastenzeit gab es dann die Fastenbrezeln, die anscheinend in Walldürn in besonderer Güte hergestellt wurden. Von ihnen hat an 10. März 1713  der Walldürner Schutzjude Leser nach einer Rechnung des Klosters Amorbach „zwei Dutzend von Walldürn hergetragen“, wofür er 4 albus (= albus grossus, Weißpfennig in Mainzer Gebiet nach dem Rad im Wappen auch Raderalbus) als Belohnung erhielt.

Das Fastnacht gern als Hochzeitstag genommen wurde, beweisen die beiden folgende Fälle. Am 9. Dezember 1713 erklärte Anna Catharina, die Frau des Nachtwächters Franz Lieth auf die Frage „wie lange sie verheiratet?: „diese Fastnacht (d. h. 1714) werden es sieben Jahre“.

Auch Hans Jörg Bauer heiratete an einem Fastnachtsmontag, am 8.Februar 1723. In einer Gerichtsverhandlung am 12. Februar klagte er gegen Conradt Mehnbusch, der  „ gegen einer empfangenen Maß Wein vom Orgelmacher (namentlich noch nicht festgehalten, aber sicher kein Freund Bauers) sich verkleidet und lustig gewesen öffentlicher Gassen, wo Kläger Hochzeitsgang eben angetreten, und dabei mitgelaufen“. „Er habe dennoch [weder] ihn noch seine Hochzeitsleut behindert, noch aus Feindschaft zu beschimpfen verlangt, hofft also diesertwegen nicht bestraft zu werden“, antwortet der Beklagte. Doch des Klägers Aussage, „erhabe ihn [nicht nur] mit allerlei unanständigen Gaukeleien beschimpft, sondern sich auch dieserwegen verkleidet“, gibt den Ausschlag, und Mehnbusch muß, da der Kläger Satisfaktion verlangt, „ weil er durch seinen närrischen Aufzug Ärgernis gegeben, drei Stunden lang im Turm gehen“. Es ist dies die erste Erwähnung eines Fastnachtskostüms in Walldürn; da das aber nicht besonders hervorgehoben wird, scheint Verkleidung als Brauch damals üblich gewesen zu sein. Ich hoffe, daß die weitere Durcharbeitung der Ratsprotokolle und der mit dem 17. Jahrhundert beginnenden Stadtrechnungen noch weiteres Material für die Walldürner Faschenaacht ergibt.

Von 1800 bis 1939

Der aus Walldürn stammende leiningische und coburgische Hofmaler Sebastian Eckardt (1782-1846) stellte auf einem Gemälde, das Dr. Max Walter noch in Walldürn gesehen hat, dessen Spur ich aber trotz mehrjähriger Suche noch nicht aufzufinden vermochte, ein Fastnachtsrat in Walldürn dar. Das brennende Fastnachtsrad war früher an manchen Stellen im Odenwald üblich, es für Walldürn wieder einzuführen und dem Fastnachsbrauchtum wieder einzugliedern, ist auch eines der Ziele der Dürmer Fastnachtsgesellschaft.

Im Walldürner Stadt- und Landboten“ vom 25 Februar 1874 lesen wir von einem Böswilligen als Anzeige(!), eine Frau habe ihn am Fastnachtdienstag (17 Februar) leibreich aufgenommen, sei aber am Donnerstag abend schreiend und zagend durch die Stadt gezogen, eine Masse Leute hätte sich versammelt und „dem grässlichen Spektakel“ zugehört. Eine redaktionelle Bemerkung stellt fest, daß ein „Eingesandt“ über ein „Stockfischbanket“ (am Aschermittwoch) mit „ekelhaften Szenen“ nicht gebracht werden könne, wenn nicht durch Zeugen die Wahrheit der aufgestellten Behauptungen „constatirt“  werde. Leider hat ein Früherer Benutzer dieses ältesten und einzigen hier erhaltenen Bandes des „Stadt und Landboten“ alle Nummer die während der Fastnachtszeit 1874 erschienen, herausgerissen.

Daß Walldürn mindestens  Ende des 19 Jahrhunderts schon Faschenaachtsumzüge kannte, geht daraus hervor, daß am 14 Februar 1893 (Fastnachtsdienstag) der am 11 Juni 1886 geborene Wilhelm Günter von einem Fastnachtswagen überfahren wurde. Für ihn findet noch heute regelmäßig ein Gedenkgottesdienst statt. Bis zum zweiten Weltkrieg wurden, allerdings ohne vereinsmäßige Bindung, Umzüge mit Garden und Prinzen, wobei auf Wagen und in Fußgruppen Lokalereignisse „achiert“ (agiert) wurden, durchgeführt. Daran erinnert ein Foto von 1928 im Besitz des Metzgermeisters Eugen Schnabel. Da das Bild der Walldürner Fastnacht in jeder Zeit noch zu lückenhaft  ist, um es so schildern zu können, wie es war, seien nur einige Männer genannt, die unter den Trägern des Fastnachtsgedankens in jener Zeit waren: Otto Ackermann, Theodor Ehmann, Oskar Goebes,

Hugo Heck, Albert Frank, Rudolf Sprich, alle Ehrenmitglieder der FG, und der mehrmalige Prinz und immer noch aktive Ludwig Spieler. Doch sei wenigstens der Prinz von 1929 Heinrich Schreiber, der sich bei der sibirischen Kälte jener Fastnachtszeit den Keim zu seiner zu Tode führenden Krankheit holte, und die Ranzengarde von 1939, die wir ebenso wie einen Ausschnitt des damaligen Faschnaachtszuches im Bilde bringen können, erwähnt.

Dürmer Faschenaacht seit 1949

Entartungen der Dürmer Faschenaacht nach den II. Weltkrieg führten am 11. November 1950 im „Schlüssel“ eine Reihe Unentwegter zusammen, die das Dürmer Brauchtum nicht untergehen lassen wollten. Sie wollten es erneuern, dazu die alten Traditionen wieder erwecken und vor allem eine Faschenaacht durchführen an dem ganz Walldürn teilnehmen sollte. Die Teilnehmer an dieser denkwürdigen Sitzung waren: Robert Arbogast, Edmund Beuchert, Otto Böhrer, Alfred Günter, Leopold Häfner, Johann Kaufmann, Roland Kaufmann, Leopold Krämer, Kurt Löhr und Hans Seiler. Unabhängig von ihnen beschäftigte sich am selben Abend eine andere Herrengesellschaft mit dem Problem der Walldürner Fastnacht. Als sich beide am späten Abend noch trafen, einigten sei sich provisorisch auf Willi Kuhn als ersten Prinzen. Am 15.11. wurde dann im „Ritter“ die Karnevalsgesellschaft gegründet. Bei dieser Gründungsversammlung waren auf Grund einer Zeitungsanzeige eine ganze Reihe weiterer Interessenten erschienen, so daß eine beträchtliche Mitgliederzahl den Vorstand der Gesellschaft wählen konnte. Erster Vorsitzender wurde Kurt Löhr, Schriftführer Bruno Schmitt, Kassier Rudolf Sprich. Den ersten Beirat bildeten: Alfred Günter (Präsident), Dr. Rudolf Schick, Rainer Derr und Karl Peters.

Schon am 20.11. traf man sich im „Grünen Baum“ wieder, wo unter Narrengesang, dem vom Maulaff (Kurt Löhr) geleiteten Narrengang, in närrischer „Behütung“ und bei vielen närrischen Versen auf Vorschlag von Apotheker Rainer Derr der Name „Fideler Aff“ geboren wurde. Den ersten Jahresbeitrag setzte die Karnevalgesellschaft „Fideler Aff“ (Kagefa) auf 2.- DM fest, außerdem ließ sie sich als Verein ins Vereinsregister eintragen. Dann begann eine eifrige, erfolgreiche Mitgliederwerbung.

Am 2.12.1950 wurde im „Schlüssel“ der Elferrat gewählt. Am 13., 20. und 28.12. fanden im Café Leiblein, Hauptstr, „Kreuz“ und "Stern“ Arbeitssitzungen statt ,die die ersten Satzungen ausarbeiteten. Am 2.1.1951 wurde im „Thiry“ das Programm der Saison festgelegt, am 9.1. im „Reichsapfel“, in dem folgenden Jahren noch manche entscheidende Wahl stattfand, Bäckermeister Sailer als Hans I. zum Prinzen proklamiert, dem als Elferrat Alfred Günter (Präsident), Edmund Beuchert, Adolf Böhrer, Willi Crezeli, Rainer Derr, Theodor Eichhorn, Tony Humyn,Roland Kaufmann, Leopold Krämer, Heinrich Schell, und Ludwig Schneider, zur Seite standen. 

Am 13.1. wurde Prinz Hans I. am Bahnhof vom Elferrat empfangen. Nach feierlichem Einzug entbot Bürgermeister Dr. Trautmann im Bürgersaal Prinz, Elferrat und Kagefa den Willkomm der Stadt. 19.11 Uhr schloß sich im Thiry-Saal die erste Prunksitzung der Kagefa an. Aus dem erfolgreichen Programm hob die Presse besonders die Büttenreden von Frau Lotte Fuchs (Nieder mit den Männern!), Roland Kaufmann (Kommunalpolitischer Schüler) und Schwob Werner Adelmann (Schnokejagt) hervor. Daneben glänzte der Elferrat in einem überwältigen Balett und Siegfried Niklas als Hofnarr. Während der Saison besuchten Prinz, Elferrat und Garde die verschiedenen Veranstaltungen der Walldürner Vereine. Ein Kappenabend der Kagefa in der „Rose“ am 24.1. brachte zündende Büttenreden . Am 5.2. nahm die Kagefa am 1. Narrentreffen in Buchen teil , bei dem der Fränkische Narrenring gegründet wurde. Am Abend fand im Thiry- Saal die zweite Prunksitzung statt, bei der u. a. Dr. Schick als Berliner mit seinen Ansichten über die „herrliche“ Dr. Trautmannstr. und der Meenzer Büttel (Fritz Zacher) debutierten. Am 6.2. zog ein prachtvoller Zug mit 30 Gruppen durch Walldürns Straßen. Die Faschenaachtsverbrennung auf dem Schloßplatz und das Rollmopsstechen am Aschermittwoch im „Hirsch“ schlossen die erfolgreiche erste Saison der Kagefa ab. 

Eine Reihe von Arbeitssitzungen baut 1951 die Kagefa wieder auf. Hervorzuheben ist die Durchführung des Sommertagszuges am 15 April und die Gründung einer Kagefa- Kapelle, die bei der 25- Jahrfeier der Handelslehranstalt am 28.7. die ersten Erfolge einheimste. Am 19. 8. machten 40 Kagefa- Mitglieder einen wohlgelungenen Familienausflug nach Glashofen, wobei der Rhesusaffe „Bobby“, das lebende Symbol der Gesellschaft, zum ersten Male mit von der Partie war.

 


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